Im Blickpunkt: Haus Kaufunger Straße 1 (Rübel)

Geschrieben am 17.07.2026
von Richard Theisen


Besitzwechsel veränderten die Gesamtansicht des Anwesens

Das ansprechende, mit einem aus dem Mittelalter stammenden giebelständigen, mehrstöckigen Bruchsteinhaus und einem traufständigen Fachwerkhaus bebaute Anwesen an der Moselfront blickt auf eine bewegte Vergangenheit. Die Geschichte des jüngeren Hauses ist in dem Objektbeitrag der KuLaDig-Präsentation thematisiert (siehe Link am Schluss dieses Beitrages). Für die neuere Zeit gibt der in meinem Buch „Quer durch die Zeit II, Beiträge zur Layer Ortsgeschichte und Heimatkunde“, enthaltene Beitrag (S. 100) einen weiteren Einblick. Ergänzend hierzu soll im Folgenden veranschaulicht werden, wie sich die Gesamtansicht des Anwesens verändert hat.



Bis in die Zeit vor 1900 war das Grundstück „Kaufunger Straße 1“ (vordem „Bachstraße 1“) entlang der Moseluferstraße durch eine hohe Mauer begrenzt. Sie endete an der Westwand des Nachbarhauses, der späteren „Löwenburg“. Deren großer Hofraum lag links von ihr und dahinter. Das Ganze war, wie auf der Lithografie aus der Zeit vor 1900 (Bildausschnitt) schön zu sehen ist, zur Straße hin ebenfalls durch eine Mauer eingeschlossen. Auffallend ist der torartige Vorbau am Haus „Kaufunger Straße 1“.

Als die Lithografie als Ansichtskarte im Umlauf war, besaßen die Eheleute Mathias Josef und Barbara Rieser das ursprünglich eine Grundstückseinheit bildende Anwesen. Es war damals mit dem Wohnhaus „Bachstraße 1“und „Bachstraße 3“ sowie mit zwei Ställen, einer Futterremise und einer Scheune nebst Kelterraum bebaut. Josef Rieser stammte aus Kobern, war Maschinist bei der Mittelrheinischen Brauerei-Gesellschaft auf der Koblenzer Laubach und seit 1889 mit Barbara geborene Mader verheiratet. Ihr Elternhaus war das Gasthaus „Zur guten Quelle“ in der Hirtenstraße. In der Scheune hatte Josef Rieser eine Schmiedewerkstatt eingerichtet, die im Mai 1891 nutzbar wurde.

Riesers Grundstück reichte bis an das Nachbargebäude, die „Löwenburg“. Letztere besaß damals keinen Eingang von der Moselstraße aus. Der Zugang bzw. die Toreinfahrt befand sich von je her im rückwärtigen Bereich, heute untere „Pastor-Simon-Straße“. Deswegen hatte das Anwesen „Löwenburg“ früher die Adresse „Zehnthofstraße/Zehnthofgasse“ 1.

Wegen der Hochwasserlage trennten sich die Eheleute Rieser Jahre später von ihrem Haus- und Grundbesitz an der „Bachstraße“, um sich an hochwasserfreier Stelle im Dorf, damals „In der Lück 2“, heute „Am Kirmesplatz 2“, ein neues zu bauen.

Neuer Eigentümer des Anwesens „Bachstraße 1/3“ wurde Carl Becker aus Koblenz. Er hatte auch die benachbarte „Löwenburg“ erworben, die er in den Jahren 1900/1901 in eine Villa im Landhausstil umbaute. Becker war zu seiner Zeit (1857 – 1914) ein renommierter Architekt, nach dessen Plänen zahlreiche repräsentative Gebäude in der südlichen Vorstadt entstanden, darunter die „Höhere evangelische Mädchenschule“ (heute „Hilda-Gymnasium“) in der Kurfürstenstraße (1902). Von ihm erwarb im Kriegsjahr 1914 der Zigarrenfabrikant Alfons Mostert das Anwesen. Zu dieser Zeit gehörte zu den Bewohnern des Hauses „Bachstraße 1“ eine Anna Maria Becker. Sie stammte aus Rübenach, war 69 Jahre alt, unverheiratet und vermutlich eine Verwandte des Architekten Becker. Sie starb im Jahr 1917 und wurde auf dem hiesigen Friedhof begraben.

Vier Jahre später veräußerte Mostert seinen Haus- und Grundbesitz an der Bachstraße an die Eheleute Peter Joseph Comes und Anna Maria geb. Schmitz. Im Jahr 1928 eröffneten sie in ihrem Haus ein Zigarren- und Gemischtwarengeschäft, in späterer Zeit zeitweise auch eine Winzerwirtschaft.




An dem aus alter Zeit herrührenden Bebauungszustand des Anwesens hatte sich, wie die Federzeichnung und das Foto belegen, bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts kaum etwas geändert.

Infolge der Eigentümerwechsel änderte sich im Laufe der Zeit der Zuschnitt des Grundstücks zugunsten der benachbarten „Löwenburg“. Sie wurde seit 1932 gastronomisch genutzt (Hotel und Weinrestaurant), was Parkraum erforderte. Die für den Hoteleingang zur „Löwenburg“ und den Parkplatz benötigte Fläche wurde von dem Anwesen „Kaufunger Straße 1“ abgetrennt. Die Jahrhunderte alte Einfriedungsmauer musste weichen. Sie wurde Anfang der 1950er-Jahre auf einiger Länge abgebrochen. Seither ist sie dem Verlauf der Grundstücksgrenze folgend rechtwinklig abknickend verkürzt. Dadurch verkleinerte sich das Areal der Katasterfläche nach gegenüber seiner ursprünglichen Größe erheblich.



Mit „Parkplatz Hotel Löwenburg“ bezeichnet das Schild auf dem Foto aus den 1950er Jahren eine Fläche, die ursprünglich zum Anwesen „Kaufunger Straße 1“ gehörte. In den ersten Dekaden des letzten Jahrhunderts wurde das Areal aufgrund eigentumsrechtlicher Veränderungen und dadurch bedingter Neubildung von Parzellen (Flurstücken) zersplittert. 

Mit dem Abbruch der alten „Löwenburg“ im Frühjahr 2019 bzw. mit dem an ihrer Stelle errichteten Neubau änderte sich die Gesamtansicht des historischen Bauensembles an der Moselfront grundlegend.  



Weitgehend unverändert geblieben sind das Erscheinungsbild und die Bausubstanz des mehr als 300 Jahre alten Fachwerkhauses mit dem angebauten, nach Giebelhöhe deutlich größeren Haus aus dem Spätmittelalter. Es sind historische Gebäude an exponierter Stelle, denn bis in die neuere Zeit lagen sie am „Haupteingang“ des Dorfes und bestimmten hier die Gesamtwirkung des Bebauungsbildes.

Bemerkenswert ist dabei die mehrmals abknickende Bauflucht an beiden Häusern. Vermutlich war es auch hier der mit deutlicher Krümmung in die Mosel mündende Bach, der in frühester Zeit die Baulinie bzw. Baugrenze vorgab. 

Richard Theisen

 

Soweit der weitere Streifzug durch die Grundstücksgeschichte des markanten Gebäudes an der Moselfront.
Wenn sie mehr über das historische Objekt lesen wollen, klicken Sie bitte https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343018 

Fotonachweis: Landesamt für Denkmalpflege – Hermann Stelten,† – Richard Theisen (von oben)