Seit dem Jahr 2017 steht neben dem Aufgang zur Begegnungsstätte eine über zwei Meter hohe Grabplatte.
Sie zeigt im oberen Feld das Wappen des Verstorbenen und im unteren Feld einen Kelch mit Hostie. Die Inschrift am oberen und rechten Rand ist in lateinischer Sprache verfasst:
OBIIT 17 APRILIS 1759 ARD JOES WILHELM KLEEFISCH PASTOR CAMERERAIUS IN LEY. Übersetzt: 17 April 1759 verstarb Archidiakon [in Karden?] Johann Wilhelm Kleefisch Pastor [und] Kämmerer in Ley.
Es ist die Grabplatte des einstigen Layer Pastors Kleefisch. Er starb in Lay und wurde, wie damals üblich, in der Pfarrkirche begraben und sein Grab mit der Grabplatte verschlossen. Er war der letzte Layer Pastor, der in der Pfarrkirche neben vielen Vorgängern seine letzte Ruhe fand. In der späteren französischen und preußischen Zeit waren Bestattungen in der Kirche nicht mehr erlaubt.
Umbau der Kirche
1836 entfernte man alle Grabplatten aus der Pfarrkirche und lagerte sie außerhalb in der Nähe des Einganges. Der Kircheninnenraum wurde dann einheitlich mit großflächigen roten Sandsteinplatten ausgelegt, die bis zur Umgestaltung der Pfarrkirche 1972/73 im romanischen Altbau der Kirche verblieben. Bei der Kirchenerweiterung 1928/29 verschloss man das bis dahin als Haupteingang genutzte Westportal und mauerte die Grabplatte des Pastors Kleefisch darin sichtbar ein.
Westportal mit Grabplatte, 1935
Außenrenovierung der Kirche
Im Zuge der Außenrenovierung der Kirche 1956 unter Pastor Josef Schneider wurde das Portal komplett mit einer Bimswand zugesetzt, überputzt und gestrichen. Auf Initiative der Amtes für Kirchliche Denkmalpflege, Trier entfernte man im Juni 2014 die Bimswand und machte das Portal wieder sichtbar. 2017 wurden der Westgiebel und die Nordwand des spätromanischen Teils der Kirche restauriert und dabei die Grabplatte von Pastor Kleefisch an die jetzige Stelle versetzt.
Pastor Kleefisch
Soweit zur Grabplatte. Zum Wirken des Pastors Kleefisch in Lay gibt es einiges Interessantes zu berichten. Geboren 1690 in Blatzheim, heute ein Stadtteil von Kerpen, wurde er 1720 zum Pastor in Lay ernannt. Dort blieb er bis zu seinem Tod 1759 und war somit 39 Jahre im Amt, so lange wie kein Pastor vor oder nach ihm. Wie damals üblich, war er nicht nur Pastor, sondern auch Bauer und Winzer und musste die Pfarrstellenländereien (Wittum) bewirtschaften, die ihm einen Teil seines Einkommens sicherten. Hierzu beschäftige er auch Mägde und Knechte. Ein weiterer Teil seines Einkommens war der trockene Zehnt (Zehntabgaben aus der Kornernte) aus den Gemarkungen von Lay und Bisholder, dass damals zur Pfarrei Lay gehörte.
Zehnteinkünfte
Um diese Zehnteinkünfte musste er immer wieder kämpfen, da sowohl die Winninger Zehntherren als auch seine eigenen Layer ’Schäflein’ ihm diese Einnahmen schmälern wollten. Wegen des Bisholderer Zehnt gab es Streit, weil die Gemarkungsgrenze zwischen Winningen und Bisholder strittig war. Das führte dazu, dass die Winninger den Zehnt auf den Feldern für sich wegnahmen, die nach Meinung des Layer Pastors in der Gemarkung Bisholder lagen und deshalb ihm gehörten.
Grenzstreitigkeiten zwischen Bisholder und Winningen
Am 6. August 1745 kam es zu einem ’Augenschein’ (Ortsbesichtigung) an der strittigen Grenze mit dem Notar Kircher und Vertretern aus Bisholder und Güls, an der Pastor Kleefisch mit seinen jetzigen und ehemaligen Knechten teilnahm. Diese bestätigten dem Notar, dass die Grenze nie anders gewesen als die von Pastor Kleefisch angezeigte. Dies bestätigten auch die weiteren Zeugen. Der Notar erstellte ein ’Notarielles Instrument’ (Protokoll) über den Grenzverlauf und sandte dieses den Winninger ’Decimatores’ (Zehntherren) zu. Der gewünschte Erfolg blieb aus, die Winninger erkannten diesen Grenzverlauf nicht an. Am 7. August 1753 traf man sich auf Betreiben von Pastor Kleefisch erneut zu einem ’Augenschein’ an der strittigen Grenze mit Notar Kircher und Vertretern aus Lay, Bisholder und Güls. Diesmal war der Winninger Vogt eingeladen, aber nicht erschienen. Pastor Kleefisch beklagte, dass die Winninger ’von der ein und anderen Erndt Ihme … den Zehenden geraubt hätten’, im Jahr 1753 waren dies 14 Zehntgarben Korn. Der Notar fertigte wieder ein ’Notarielles Instrument’, aber auch dieses brachte keinen Erfolg. Die Gemarkungsgrenze blieb strittig und die Zehntknechte aus Lay oder Winningen, die als erste bei der Ernte erschienen, heimsten die Zehntgarben für ihre Herren ein.
Brisanter Zehntstreit in Lay
1752 kam es zu einem brisanten Zehntstreit in Lay. Dem Pastor war es schon lange aufgefallen, dass der trockene Zehnt, den er aus den Layer Feldern bezog, drastisch zurückging. Er bemerkte, dass die Layer auf ihren Feldern weniger Korn aber dafür mehr ’Kappis, Bohnen, Murren, Linßen und mehrerley Gemüß’ anbauten und für diese mussten sie keinen Zehnt entrichten. 1752 platzte dem Pastor der Kragen und er schickte seine Mägde in die der Gemeinde gehörenden ’Stücke & Felder’ um dort ’Krauthfuder’ für sein Vieh zu mähen. Das ließen die Gemeindevertreter nicht zu und so kam es zum Streit. Der Pastor zog vor das bischöfliche Offizialat (Kirchliches Gericht) in Koblenz und verklagte Schultheiß nebst Schöffen und Bürgermeister und die ganze Gemeinde.
Der Prozess
Im Sommer 1753 begann der Prozess und zog sich über ein Jahr hin. In der Verhandlung räumte Bürgermeister Christophel Welling ein, dass bisher ’noch kein Kappis noch Kohl in der Layer Gemarkung gepflanzt gewesen wäre’, aber dass man jetzt in 84 Feldern, die vormals mit Korn bepflanzt waren, jetzt nur noch ‚’Kappis’ und die neuen ’Grundbirnen’ anbauen würde und hiervon dem Pastor keinen Zehnt entrichten müsse. Ebenso lägen weitere 71 Felder, die ehemals mit Korn bebaut waren, jetzt brach oder würden als Wiesen genutzt, die ebenfalls zehntfrei seien. Der Pastor argumentierte, dass er die entgangenen Zehnteinnahmen zu seinem Lebensunterhalt benötige und forderte sie ein. Das Gericht sah dies anders und fällte am 12. Juni 1754 das Urteil: Die Layer durften weiterhin ’Kappis, Murren, Bohnen, Linßen und allerlei Gemüß oder Gefuder’ anbauen, ohne dafür den Zehnt zu entrichten. Doch für die neuen ’Grundbirnen’, unsere heutigen Kartoffeln, die im 18. Jh. bei uns heimisch wurden, musste zukünftig der Zehnt an den Pastor entrichtet werden. Da diese immer häufiger angebaut wurden und zu einem Grundnahrungsmittel avancierten, konnte der Pastor den fehlenden Kornzehnt durch den Kartoffelzehnt sicher ausgleichen.
Rolf Morbach
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