40 Jahre Ausgrabungen am Schwedenpfad - Verlauf einer historischen Erfolgsgeschichte -

Geschrieben am 17.03.2025
von Rolf Morbach


Vor nunmehr 40 Jahren wurde im April 1985 erstmals beim Erdaushub für den Bau des Hauses Schwedenpfad 1 die Mauern eines römischen Anwesens unter fachkundiger Leitung des Landesamtes für Denkmalpflege, Abt. Archäologie freigelegt und dokumentiert. Im Verlauf der Grabungen stellte sich heraus, dass es sich um einen landwirtschaftlichen Gutshof, eine villa rustica handelte, die mit Unterbrechungen vom Ende des 1. Jh. bis zum Beginn des 5. Jh. bewohnt war.

Erstes römisches Mauerwerk

Bereits 1984 gab es erste Hinweise, dass im ’Zillegrät’ (der alte Layer Name des dortigen Fußweges), dem heutigen Schwedenpfad, ein Gebäude gestanden haben muss. Damals trat beim Ausheben der Baugrube für das Haus Schwedenpfad 3 solides Mauerwerk von bis zu zwei Metern Höhe zutage.



Römisches Mauerwerk, Schwedenpfad 3, 1984


Der erste Layer, dem diese vermeintlichen ’Weinbergsmauern’ auffielen, war der Heimatkundler Jakob Reick (+1992), den älteren Layern gut unter dem Namen ’Fösch’ bekannt (wobei ’Fösch’ = Fisch von seinen Vorfahren Johann und Gertrud Fischer herrührt, den Gründern des Gasthauses ’Zur Traube’). Es trifft zu, dass es in diesem Bereich Weinberge gab. Das Lagerbuch der ’Dorffschaft Lay’ aus dem Jahr 1720 weist hier die Weinbergslage ’Im Zyllen Kreth’ aus. Aber die 1984 zutage getretenen Mauern waren für Weinbergsmauern zu akkurat gemauert, zudem verputzt und sie standen einfach zu tief in der Erde. Auch fanden sich in dem neben der Baugrube liegenden Erdaushub Tonscherben, Ziegelreste, geschmiedete Nägel und ein Knochen, der einem menschlichen Oberschenkelknochen sehr ähnlich sah.  Mit diesen Fundstücken suchte ich damals das Landesamt für Denkmalpflege in der Festung Ehrenbreitstein auf und bat um Begutachtung derselben. Es stellte sich heraus, dass es sich hier um römische Befunde handelte, der Knochen konnte nicht eindeutig zugeordnet werden. Archäologen des Landesamtes begutachteten daraufhin die Baugrube und stellten fest, dass es sich hierbei um die angeschnittene Kellerwand eines ländlichen römischen Wohnhauses handelte. Weitere Untersuchungen in dieser Baugrube waren nicht mehr sinnvoll, stattdessen galt das zukünftige Interesse dem Baugrundstück Schwedenpfad 1 neben der jetzigen Baugrube. Dort wurde der Hauptteil des römischen Wohnhauses vermutet. Über die bisherigen Erkenntnisse berichtete die Rhein Zeitung am 18. Mai 1984.

Erste fränkische Gräber

War bisher bekannt, dass es sich bei dem Befund im Schwedenpfad um ein römisches Wohnhaus handelte, kam im Dezember 1984 beim Aushub eines Grabens für die Gas- und Wasserleitung zum Haus Schwedenpfad 3 ein menschliches Skelett zutage. Das Skelett wurde jedoch durch den Bagger vollends zerstört, nur der Schädel blieb erhalten. Im März 1985 wurde schließlich beim Erdaushub für eine Außentreppe an der Nordseite des Hauses Schwedenpfad 3 ein erhaltenes menschliches Skelett gefunden. Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege legten dieses frei und dokumentierten es. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um ein fränkisches Grab handelte und dass der Tote nach der römischen Besiedlung in dem inzwischen verfallenen Anwesen bestattet worden war.



Erstes fränkisches Grab, Schwedenpfad 3, 1984


Es war zu erwarten, dass noch weitere fränkische Gräber unter der Erde verborgen liegen. Somit handelte es sich bei den Befunden im Schwedenpfad nicht nur um ein römisches Wohnhaus, sondern auch um ein fränkisches Gräberfeld, was sich später auch bestätigte.

Kellergeschoss

Im April 1985 begann der Erdaushub auf dem Baugrundstück Schwedenpfad 1. Aufgrund der ordnungsgemäßen Benachrichtigung des Landesamtes für Denkmalpflege durch den Bauherrn über diese Baumaßnahme war Fachpersonal dieser Behörde vom Beginn an den Ausgrabungen beteiligt. Gleich zu Anfang der Erdarbeiten wurden zwei Gräber freigelegt. Aus Zeitgründen konnte nur eines der beiden dokumentiert werden, es handelte sich hierbei auch um ein fränkisches Grab. Im weiteren Verlauf des Erdaushubs kamen interessante archäologische Schätze zum Vorschein. Es wurden sehr gut erhaltene Kellerwände, teilweise verputzt und bis zu zwei Meter hoch, freigelegt.



Römischer Keller, Schwedenpfad 1, 1985


Die nachfolgenden Untersuchungen ergaben, dass es sich bei diesem Anwesen um einen ländlichen römischen Gutshof, einer villa rustica handelte. Das Interesse an diesem bestens erhaltenen römischen Befund war in der Fachwelt, bei der örtlichen Presse und auch in der Layer Bevölkerung sehr groß. So wunderte es nicht, dass mit dem Abschluss der wesentlichen Ausgrabungen und Dokumentation am 19.04.1985 der Wunsch nach einer Unterschutzstellung als Kulturgut erhoben wurde. Es war aber auch klar, dass diese Unterschutzstellung nur für das gesamte Areal der villa rustica einen Sinn ergeben würde. Zu diesem Areal würden zumindest noch ein weiteres Baugrundstück und ein Teil des noch nicht erschlossenen Schwedenpfades gehören. Die hier zu erwartenden Kosten für Grunderwerb, Entschädigungen, Sicherung des Mauerwerks etc. wären immens und nicht zu realisieren. Somit musste von diesem Wunsch Abstand genommen werden und die römischen Mauern wurden am 23.04.1985 vom Bagger abgetragen.






Römische Fundstücke: 

  • terra sigillata (Bruchstück einer Schüssel, Tafelgeschirr)
  • Wandputz bemalt;
  • terra sigillata u. nigra
  • einfache Keramik und Nägel

Weiterhin wurden noch im April/Mai 1985 beim Erdaushub für das Haus Schwedenpfad 2 drei weitere fränkische Gräber entdeckt, die teilweise dokumentiert und geborgen werden konnten.

Wohnräume und Badeanlage

Am 07.08.1986 begann der Erdaushub für den Ausbau des Schwedenpfades. Vom 11. bis 22. August erfolgten Ausgrabungen durch Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege, am 26.08.1986 wurde das Gelände einplaniert und die Ausbauarbeiten wieder aufgenommen. Während den Ausgrabungen kamen die Wandreste der nicht unterkellerten Wohnräume zum Vorschein. Damit wurden auch die Ausmaße der villa rustica sichtbar, 35 Meter in Ost-West Richtung und 21 Meter Nord-Süd. Dazu ein besonderer Befund an der Westseite: die fußbodenbeheizte Badeanlage (Hypokausten).



Römisches Bad, doppelter beheizbarer Fußbodens, 1986


Weitere Details: Die Wände waren hergestellt aus Gussmörtelmauerwerk, verputzt, gestrichen und teilweise bemalt. Der estrichartige Fußboden bestand aus Ziegelsplitt und Trasskalkmörtel. Das Gebäude war eingeschossig und mit flachen und halbrunden Ziegeln gedeckt (tegula und imprex).



Römische Ziegel: rechts tegula, komplett; links tegula, Bruchstück; darüber imprex, Bruchstück, 1986


Die villa rustica war das Hauptgebäude eines großen landwirtschaftlichen Anwesens, das bis zur Mosel reichte. Es war ab dem Ende des 1. Jh. mit Unterbrechungen bis zum Beginn des 5. Jh. bewohnt und wurde dann endgültig aufgegeben.

Fränkische Gräber

Etwa ab dem 6. Jh. siedelten Franken in Lay und bestatteten in und außerhalb der Ruinen ihre Toten. Elf fränkische Gräber wurden bei der Erschließung des Schwedenpfades freigelegt und dokumentiert. Im Frühjahr 1989 wurden beim Erdaushub für den Bau des Hauses Schwedenpfad 4 nochmals fünf fränkische Gräber freigelegt. Insgesamt wurden 24 fränkische Gräber gefunden und teilweise dokumentiert. Die Bestattungen erfolgten im Zeitraum vom Ende des 6. Jh. bis zur Mitte des 8. Jh. Die Grabgruben waren überwiegend mit Trockensteinmauerwerk ausgekleidet und mit Schieferplatten abgedeckt. Die Toten lagen darin in gestreckter Rückenlage mit Blick in östlicher Richtung. Bis zur Mitte des 8. Jh. war die heidnische Sitte, den Toten Beigaben für das Jenseits mit in das Grab zu geben im Rhein-Mosel-Gebiet noch verbreitet, so war es auch in Lay.





Fränkische Befunde:

  • Grab, Skelett Oberkörper, 1986;
  • Sax (Kurzschwert)1986;
  • Schüssel für Grabbeigaben, Bruchstück,1985

In insgesamt 15 Gräbern wurden unterschiedliche Beigaben angetroffen. In den Frauengräbern fanden sich Ohrringe, Bronzeanhänger, Bronzeringe, Gewandfibeln, Perlen, Knickwandtöpfe. Den Männern wurden Saxe (fränk. Kurzschwerter), Messer, Lanzen- und Pfeilspitzen, Knickwandtöpfe, Henkelkrüge und eine friesische Sceatta-Münze für den Fährmann über den Fluss Styx in das Reich der Toten mitgegeben. Im Frühmittelalter war auch die Beraubung der Gräber weit verbreitet. Von den 24 Gräbern wurden nur drei ungestört vorgefunden, die übrigen Gräber waren teilweise oder ganz beraubt worden. In einem Grab fanden sich noch die Nieten der Saxscheide, der Sax war entwendet.

Schlussbetrachtung

Nach 1989 wurden keinen Ausgrabungen mehr im Schwedenpfad vorgenommen. Der nordwestliche Teil der villa rustica liegt heute noch unter der Erde verborgen. Sollte irgendwann das Grundstück Kaufunger Straße 33 bebaut werden, so sind dort weitere interessante Befunde über das römische Anwesen und über eventuell noch weitere fränkische Gräber zu erwarten.

Die Thematik der fränkischen Gräber wurde von Dr. Lutz Grunwald, Generaldirektion Kulturelles Erbe wissenschaftlich aufgearbeitet und 2007 unter dem Titel ’Das Fränkische Gräberfeld von Koblenz-Lay’ im Band 12 der ’Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel’ veröffentlicht.

Durch die römischen Befunde wissen wir, dass etwa ab dem Ende des 1. Jh. Menschen im heutigen Lay lebten. Die fränkischen Befunde lassen den Schluss zu, dass sich aus der fränkischen Siedlung, die in der Nähe der Gräber gelegen haben muss, das Dorf Lay entwickelte, das 803 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Somit ist Lay wesentlich älter als derzeit ’nur’ 1222 Jahre.

Rolf Morbach