Die Layer wissen, dass unser Ort von einer schlimmen Eiskatastrophe heimgesucht wurde. Gewaltige Eisberge hatten am 10. Februar 1830 einen großen Teil des kleinen Ortes verwüstet. Sogar das -zwar renovierungsbedürftige- Pfarrhaus an der Kirche musste abgerissen und neu aufgebaut werden. Bis weit ins Frühjahr lagen noch Eisblöcke in der Hirtenstraße.
Man kann sich kaum vorstellen, welche Not über die armen Layer Familien gekommen war. Sogar der berühmte Dichter Clemens Brentano war von diesem Ereignis so ergriffen, dass er ein „Bettellied“ mit 43 Strophen über diese Katastrophe verfasste. Aus dem Erlös konnte er dem armen Tagelöhner Knopp zu einem neuen hochwassersicheren Haus verhelfen. Dieses Haus steht heute noch in der Lückenstraße 16.
Nach diesem Geschehen waren gerade 15 Jahre vergangen, als in der Layer Pfarrkirche ein Ölgemälde enthüllt wurde. Für dieses Bild hatten die Layer Geld gesammelt. Es kam die beträchtliche Summe von 35 Thalern zusammen, das entsprach in etwa der heutigen Zeit eine Kaufkraft von 1.000 Euro. Das Gemälde zeigt die Muttergottes als Himmelskönigin mit Kind über Lay schwebend. An diesem Kunstwerk sollten und wollten die Layer die Muttergottes um Hilfe bitten. Ihr flehender Wunsch: sie möge Lay vor solchen und anderen Katastrophen beschützen.
Werfen wir einen Blick auf die Umstände, wie es womöglich zum Kauf dieses Gemäldes gekommen ist.
Vielleicht hatte der damalige Layer Pastor Illgen davon gehört, dass den Borromäerinnen für die Koblenzer Hospitalkirche (ehem. Franziskanerkloster in der Altstadt) im Jahre 1833 ein Gemälde der „Himmelskönigin“ geschenkt worden war. Es war ein Werk des berühmten Leiters der Düsseldorfer Kunstakademie Friedrich Wilhelm von Schadow.
Zu dieser Zeit wuchs in Koblenz ein vielversprechendes Malertalent heran: Johannes Lange, geb. am 25.3.1823. Er studierte drei Jahre Malerei bei Lasinsky in Koblenz. Danach wechselte er ab 1842 für sechs Jahre zum Studium der Landschaftsmalerei an die berühmte Düsseldorfer Kunstakademie. Zur Ausbildung der Schüler gehörte es, nicht nur nach mittelalterlichen Vorlagen, sondern auch nach Art der Akademie-Lehrer zu zeichnen. Für den Layer Auftrag nahm Lange das Schadow‘sche Gemälde in der Koblenzer Hospitalkirche als Vorbild. Das dokumentierte er schriftlich auf seinem Werk: „JLange fecit nach Schadow“. Die Inschrift bedeutet: „JLange hat dies gefertigt nach Schadow“ und ist zu finden unter der Darstellung unserer Kirche.
Das Layer Ölbild ist ein außergewöhnliches, einmaliges Gemälde. Über dem kleinen Ort Lay -eingebettet in die Moselberge- schwebt auf einer Wolke die anrührende Himmelskönigin. Sie ist umgeben von hellem Schein. Zärtlich blickt sie auf den kleinen Jesus in ihrem Arm. Das Besondere an dem Werk ist, dass der Landschaftsmaler Lange unseren Heimatort in seiner natürlichen Lage dargestellt hat. Dadurch gab der Künstler der Bitte der Layer an die Muttergottes eindringlich Gestalt.
Während das Vorbild-Ölgemälde in der Hospitalkirche wahrscheinlich dem Bombenangriff des II. Weltkrieges zum Opfer fiel, ist dieses Gemälde den Layern erhalten geblieben. In der Nische rechts vom Altar -über dem Layer Hungertuch- kann man das Werk bewundern und die Gottesmutter um Beistand bitten.
Schon vor 100 Jahren ließ Pfarrer Simon das Gemälde reinigen und mit einem Goldrahmen fassen. Doch nach und nach dunkelte es so sehr nach, dass die Darstellung von Lay kaum noch erkennbar war. So entschloss sich die Layer CDU-Frauengruppe, die Restaurierung mitzufinanzieren. Der Erlös aus der 8. Hobbyausstellung in Höhe von 3.500 Mark floss der Restaurierung im Restaurationsatelier Holly in Kruft zu, 1.500 Mark finanzierte das Bistum. Und siehe da: seit der Reinigung im Jahre 2000 wurde Lay wieder sichtbar.
Aus dem Leben des Künstlers
entnommen vorwiegend aus seinem Totenzettel (Quelle: WGfF).
Hier noch einige Angaben zum Schöpfer des Gemäldes: Nach seinen Studien in Düsseldorf übersiedelte der Koblenzer später nach Aachen. Seit 1856 widmete sich Johannes (Jean) Lange ausschließlich der christlichen Kunst. Wörtlich hält der Totenzettel fest: „Zahllose Kunstwerke in den Kirchen Frankreichs, Hollands, Belgiens und Deutschlands sind Zeugen seines Fleißes und frommen Kunstsinnes.“ Viele Aachener Kirchen und sämtliche Malereien in der Pfarrkirche St. Adalbert in Aachen entstammtem seinem Pinsel. Leider hat der Krieg eine große Spur der Verwüstung hinterlassen, wie mir der aus Lay stammende und in Aachen wohnende Dr. Stefan Wieczorek bestätigte. Der Künstler heiratete im Jahre 1881 Maria Capellmann, mit verwandtschaftlichen Wurzeln nach Koblenz. Johannes Lange verstarb in Aachen am 19.4.1908 im Alter von 85 Jahren. Der Künstler blieb seiner Geburtsstadt stets verbunden, auch wegen seiner Beziehungen zu seinem Koblenzer Malerfreund Peter-Joseph Molitor, der mit ihm auch die Künstlerakademie in Düsseldorf besucht hatte.
Ganz in unserer Nähe schmücken zwei weitere Gemälde des Künstlers Lange eine Kirche. Die Stationen 11 und 12 im Chorraum der Wallfahrtskirche St. Nikolaus in Arenberg stammen vom Maler J. Lange. Einige der großen „Kreuzweggemälde“ wurden von drei Geschwistern Sauer aus Moselweiß der Kirche gestiftet. Es sind Werke des Koblenzer Malers Peter-Joseph Molitor.
Hedwig Herdes
Fotos: Hedwig Herdes und Restaurator Holly, Kruft
Dank an Rektor i.R. Johannes Scho




