Bei den Vorarbeiten für den Ausbau der B 49 gab es bisher schon manche Überraschung. Angefangen von der Entdeckung einer dort nicht vermuteten Natternart, einem bisher nicht bekannten Gemarkungsgrenzstein bis hin zu zahlreichen, meist undefinierbaren Metallfunden. Jetzt ist eine neue hinzugekommen. Bei der Vorbereitung der Uferböschung für den Ausbau der B 49 kam in Höhe des Ankerpfades ein uralter Schifffahrtspegel zum Vorschein. Es handelt sich um einen Schräg- oder Böschungspegel aus Gussstahl, der zur Messung des Wasserstandes bestimmt war. Die meterlange Pegellatte ist in ein Mörtelbett fest eingebaut. Ihre Messeinteilung entspricht nicht dem metrischen System, sondern beruht auf der alten Längeneinheit „Zoll“, die etwa 2,5 cm oder einer Daumenbreite entsprach. Das Zoll-Maß war hierzulande bis 1872 gültig. Der Pegel ist folglich vor dieser Zeit angelegt worden.
Es stellt sich die Frage, warum er hier, fernab vom Dorf am Außenbogen der Moselschleife positioniert wurde, ob er schon für die Treidelschifffahrt genutzt oder erst angelegt wurde, als die Dampfschifffahrt auf der Mosel begann (ab 1840). Denkbar ist, dass er als Bezugspegel für einen bestimmten Moselabschnitt diente. Sicher ist, dass die Feststellung des Wasserstandes an dieser Stelle, im „Hamm“, für die Schifffahrt wichtig und von Bedeutung war. Der Pegel muss ja regelmäßig abgelesen und mit seinen Messdaten verwertet worden sein. Es ist nicht bekannt, unter wessen Regie und Aufsicht das geschah und wer die Messungen vornahm. Um das zu ergründen, bedürfte es weiterer Recherchen.
Der freigelegte Pegel. Sein Fußpunkt dürfte sich deutlich unter der noch sichtbaren Messzahl „28“ befinden, denn vor dem Ausbau zur Schifffahrtsstraße lag hier der Wasserspiegel der Mosel im Mittel tiefer als heute. Die Flusspegel waren aber grundsätzlich so angelegt, dass der Wasserstand auch bei Niedrigwasser messbar und ablesbar war.
Die Abstände der Zahlenskala entsprechen dem Zoll-Maß, wobei bei einem Schrägpegel wie diesem die Zoll-Einteilung entsprechend der Neigung „gestreckt“ ist.
Die historische Pegelanlage konnte leider nicht erhalten werden. Sie wurde inzwischen abgebrochen und mit dem Bauschutt entsorgt.
Richard Theisen
P.S. Auch der erwähnte Gemarkungsgrenzstein ist ein bemerkenswerter Fund. Er wurde 1899 gesetzt, um den jahrelangen Streit zwischen Lay und Moselweiß wegen des Grenzverlaufs vom Ankerpfad und seiner Instandhaltung zu beenden. Zumindest in den letzten 50 Jahren war der Stein nicht sichtbar vorhanden. Jetzt, mit den Bauarbeiten, ist er aufgetaucht.



