Ein Blick zurück: Das Weinfest vor 50 Jahren

Geschrieben am 15.09.2024
von Richard Theisen


Ende September 1974 feierte Lay zum vierten Mal sein „Wein- und Erntefest“ (seit 1977 heißt es „Koblenzer Weinfest“). Drei Jahre zuvor war es aus der Taufe gehoben und am ersten Oktoberwochenende in Zusammenarbeit mit dem Fremdenverkehrsamt der Stadt Koblenz erstmals veranstaltet worden. Es sollte neben dem Gülser Blütenfest zu einer der Koblenzer Standard-Veranstaltungen werden. Das Fest erwies sich vom Start weg als Erfolgsgeschichte. Der Verbund mit der Wanderaktion „Koblenz wandert“ hatte sich bestens bewährt, denn mit den Wanderern kamen in unerwartet hoher Zahl Festbesucher nach Lay.

Als „Wein- und Erntekönigin“ amtierte vor 50 Jahren die 19jährige Rita Ackermann. Während ihre Vorgängerinnen ein Jahr lang die Krone trugen, war Rita I. erstmals für zwei Jahre gekürt worden, so wie es heute noch üblich ist. Doch es gab noch weitere „Extras“, von denen sich einige bis heute erhalten haben. Die im Vorjahr gegründete Jugendfeuerwehrkapelle wurde in das Festprogramm eingebunden und gab samstags bei der Eröffnung der Weingass‘ und des Festzeltes ihr Debüt. Der Möhnenclub „Spätlese“ präsentierte sich in der Weingass‘ mit einem Imbissstand. Neu war auch, dass ein Karussell auf dem Festplatz für Kinderspaß sorgte. Und die Volkswanderung nach Lay zeichnete sich in jenem Jahr durch eine Rekordbeteiligung aus, die danach nicht mehr erreicht wurde.

Im Rückblick ist zum Festverlauf in geraffter Form folgendes zu berichten: Während in der gesamten Woche vor dem Fest miserables Wetter herrschte, strahlte ab dem frühen Sonntagmorgen die Sonne vom blauen Himmel den ganzen Tag. Am Vorabend erfolgte die Proklamation der „Wein- und Erntekönigin“. Im brechend vollen Festzelt konnte Rita I. Gäste aus Frankreich, Holland und England begrüßen, sowie den Oberbürgermeister der Stadt, Willi Hörter, und mit ihm zahlreiche weitere Ehrengäste aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens.  

Sonntags startete ab 8 Uhr an der „Rhein-Mosel-Halle“ die von TuS Rot-Weiß Koblenz in Zusammenarbeit mit dem Sportamt vorbereitete Volkswanderung. Für Wanderer aus Lay fuhr ab 7 Uhr ein Bus zum Startpunkt, für die Gäste bestand ab 12 Uhr ein Buspendelverkehr von Lay in die Stadt. Fast 6.000 Wanderer machten sich auf den Weg nach Lay. Jeder Wanderer erhielt, von der Sparkasse Koblenz gestiftet, einen Wanderstock, den es in drei Größen gab - Herren, Damen, Kinder. Zur Wanderstrecke: Über „Laubach, Kaltenbornsbrünnche, Lichte Eiche, Kühkopf, Eichenplatz, Layer Berg“ ging es 13 km bergauf, bergab nach Lay. An den Kontrollstellen gab es Erfrischungen vom Milchhof Koblenz. Daneben lockten einfache Wettbewerbe wie Torschießen, Korbballwerfen, Trimm-Dich-Aktionen, interessierte Teilnehmer. Bei allem winkten kleine Preise. Am Ziel erhielten die Wanderer aus der Hand von Wein- und Erntekönigin Rita I. eine goldene Wanderplakette am Band. Hunger wurde im Festzelt mit Erbensuppe aus der Feldküche der Bundeswehr gestillt.

Durch die Layer Weingass‘ drängte sich bei bestem Wetter eine unübersehbare Menschenmenge. „Koblenz wandert“ wurde zum Koblenzer Volksfest.

Der Montag begann mit dem schon traditionellen Frühschoppen. Hier gastierten neben Koblenzer Weinmajestäten auch die Linzer Weinkönigin mit Gefolge. Im Tagesverlauf wurde nach „alter Sitte“ in Zelt und Weingass‘ weitergefeiert, bis in den frühen Morgen.

Die Lokalpresse berichtete sehr ausführlich über das Wein- und Erntefest 1974. Einhellige Meinung: Es war wieder ein eindrucksvoller Höhepunkt in der Koblenzer Fremdenverkehrssaison. 




Das gemeinsame Grußwort des Vorsitzenden des Vereins der Heimatfreunde Lay und des Ortsvorstehers gehört bis heute zur guten Gepflogenheit. Hellmut Rübel war erst vier Monate im Amt. Es war für ihn das erste Grußwort, das er als Ortsvorsteher zum Weinfest schrieb.

Willi Ackermann, der abgelöste Ortsvorsteher und Vater von Wein- und Erntekönigin Rita I., begrüßte in einem heiter-beschwingten Gedicht die Gäste und machte mit ihm gute, weinfrohe Laune für den Besuch des Festes im „schönen Lay“.  



Kleine „Pressesplitter“ vom Weinfest 1974: - Freundliche Einladung an die Öffentlichkeit in der „Rhein-Zeitung“. - Das Plakat mit dem Wanderfuß, der zum bekannten Symbol der Volkswanderveranstaltung wurde. - Unterstützt von Repräsentanten von TuS Rot-Weiß Koblenz und der Sparkasse Koblenz ehrte Wein- und Erntekönigin Rita I. in der Weingass‘ die ankommenden Wanderer mit der begehrten Medaille am Band.  - Sieben Winzer luden die Gäste zu ihren Ständen in der Weingass‘ ein. - Für die Kinder gab es 1974 erstmals ein Karussell auf dem Festplatz.

Und heute? Das „Koblenzer Weinfest“ hat sich gewandelt. Es erhielt im Laufe der Zeit ein anderes Format. Dennoch ist es geblieben, was es von Anfang an war: ein attraktiver Höhepunkt im jährlichen Festgeschehen. Der Verein der Heimatfreunde Lay, der es seit mehr als 50 Jahren ausrichtet, verdient in hohem Maß den Dank der Öffentlichkeit.

Richard Theisen

 

Quellen:

Schulchronik Lay (Band V); Sammlung Hedwig Herdes; eigene Sammlung des Verfassers.