Katharina Simonis, geb. Thillmann
Im Juli d.J. berichtete ich an gleicher Stelle über den Gründer der Königsbacher Brauerei – Joseph Thillmann –, der aus Lay stammte.
Heute soll seine Tochter Katharina im Mittelpunkt stehen. Ein Totenzettel aus dem Jahre 1955 gewährt uns Einblicke in das Leben einer erstaunlichen Frau!
Wir erinnern uns: Im Jahre 1874 verzog der Maurermeister Joseph Thillmann mit seiner Ehefrau Catharina, geb. Göbel und seinen beiden Töchtern aus Lay nach Koblenz. Sie wohnten zunächst in der Balduinstraße 8, die es heute nicht mehr gibt.
Für die beiden Schwestern ein großer Einschnitt. Hinaus aus dem dörflichen Lay in die Stadt. Maria war sechs und Katharina, genannt Katchen drei Jahre alt. Im Jahre 1879 gesellte sich zu den beiden Mädchen noch die Schwester Luise. Sie erlebten große Neuigkeiten: Ihr Vater hatte das „Alte Brauhaus“ in der Braugasse 4-6 gekauft. Nach Abriss des maroden Gebäudes erbaute er an gleicher Stelle die noch heute bestehenden großen Häuser, in die die Familie einzog. In der Braugasse gründete der Vater auch die „Königsbacher Brauerei“. Außerdem herrschte reger Verkehr mit der vor den Toren der Stadt zusätzlich entstandenen großen Brauerei in der Laubach: die „Königsbacher Brauerei“.
Obwohl der Vater als fleißiger Bauherr und Brauereibesitzer der Familie ein gutes Leben bot, blieben die Schicksalsschläge auch für Katharina nicht aus:
Nach bevor Katharina heiratete, musste sie den Tod ihrer erst 20jährigen Schwester Maria betrauern. Im Jahre 1891 vermählte sie sich mit dem Brauereidirektor Engelbert Simonis. Das einzige Kind aus dieser Ehe verstarb im Alter von nur 6 Tagen! Vater Joseph Thillmann, der seine Brauerei in guten Händen des Schwiegersohnes wusste, konnte sich nun seiner geliebten Tätigkeit als Bauunternehmer widmen. – Sehr aktiv und erfolgreich, bis er im Alter von nur 60 Jahren plötzlich verstarb. Seine Ehefrau -Katharinas Mutter- folgte ihm nur fünf Jahre später.
Der nächste harte Schicksalsschlag traf Katharina so einschneidend, dass sie ihren gesamten Lebensablauf ändern sollte. Ihre in Koblenz geborene Schwester Luise verstarb 28jährig kurz nach der Geburt ihres dritten Kindes. Sie war verheiratet mit Jakob Knödgen, der im Jahre 1910, nur drei Jahre später auch verstarb.
Und Katharina fasste in großer Verantwortung einen folgenschweren Entschluss: Sie nahm die drei Kinder ihrer verstorbenen Schwester in ihre Obhut: Hugo im Alter von 5 Jahren, Anne Kathrin 3 Jahre alt und die neugeborene Luise. Die Kinder wurden vom Ehepaar Katharina und Engelbert Simonis adoptiert und führten fortan den Namen: Knödgen-Simonis.
Die Häuser, in denen sich diese schicksalhaften Ereignisse abspielten, können wir heute noch bewundern. Es handelt sich um das repräsentative Doppelhaus in der Adamstraße Nr. 2 und 4. Man findet es gegenüber dem Café Rheinanlagen. Dieses heute noch ins Auge fallende herrschaftliche Gebäude war auch von Joseph Thillmann für Jakob Knödgen und Engelbert Simonis erbaut worden. So wohnte Katharina mit ihrer Schwester Luise nebeneinander und die drei verwaisten Kinder brauchten ihr Elternhaus nicht zu verlassen.
Haus Adamstraße 2 und 4
Wie der Totenzettel beschreibt, kümmerte sich Katharina liebevoll um die Kinder. Ihre und ihres Mannes Fürsorge und Erziehung der Waisenkinder waren offensichtlich sehr erfolgreich. Insbesondere wurde die Königsbacher Brauerei von ihnen bzw. ihren Nachkommen an führender Stelle geleitet. Auch Katharina selbst setzte sich nach dem Tod ihres Mannes -nach 40jähriger Ehe- tatkräftig in der Leitung der Brauerei ein. Sie war stellvertretende Vorstandsvorsitzende.
Ihren Geburtsort Lay hat sie nie vergessen. Davon sollten viele Layer profitieren, die „off die Künnigsbach“ zur Arbeit fuhren.
Totenzettelsammlung WGfF e.V.
Nachzulesen unter:
Herdes Hedwig;1987: Lay im 20. Jahrhundert. S. 233





