Königin Elisabeth und der „Hötteklos“

Geschrieben am 15.01.2025
von Hedwig Herdes


Nikolaus (=Klos) Schmitt, am 6.10.1800 in Bisholder geboren, wurde im Volksmund „Hötteklos“ genannt. Seine Eltern waren Phil. Schmitt und A. geb. Schuster. Im Leben des Nikolaus Schmitt spielte ein ergreifendes Ereignis eine sehr bedeutende Rolle: Der Layer Hauptlehrer Bernhard Gorges berichtet darüber in allen Einzelheiten. Nikolaus Schmitt lebte als armer Köhler und Waldarbeiter mit Frau und Sohn in einer einsamen und einfachen Hütte im Koblenzer Stadtwald im Distrikt „Groov“ (Grube). Zwei Ziegen und ein Hund gehörten dazu.

Das aufregende Ereignis, das das Leben der einfachen Familie dramatisch verändern sollte, wird von Lehrer Gorges so beschrieben:

„Eines Tages kam plötzlich und unerwartet hoher Besuch in ihr entlegenes Hüttchen. Ihre Majestät, Königin Elisabeth trat ein. Was führte nun Ihre Königliche Hoheit zu diesem Häuschen?



Foto: Eva Sasse


Königin Elisabeth weilte um diese Zeit öfters auf Schloss Stolzenfels. Von hier aus unternahm sie häufig Spaziergänge durch den Koblenzer Stadtwald. Diesmal war ihr Ziel der Merkurtempel. Sie verirrte sich jedoch unterwegs. Ratlos stand Elisabeth geraume Zeit da. Plötzlich vernahm sie Hundegebell. Hoffend, in der Nähe Menschen zu finden, schritt nun die Königin auf das Gekläffe zu und kam so an „Hötteklos“ Hütte. Ganz erschöpft bat sie um Einlass und Auskunft über den Rückweg. Frau Schmitt drehte eben die Kaffeemühle, als ihre Majestät eintraf. Als erstere nun ihren hohen Besuch erkannte, bemächtigte sich ihrer eine nicht geringe Aufregung. In ihrer Verwirrung sagte sie: „Herr Königin, setzen Sie sich“… Zur Stärkung setzte nun Frau Schmitt ihrer Herrin einige Tassen Ziegenmilch vor, die der Königin vortrefflich mundeten,…“

Als der Hötteklos -wahrscheinlich müde und schmutzig- von seiner Arbeit in die Hütte kam, bot er der Königin an, sie in ihr Schloss zurückzubegleiten. Wie mag sich der arme Köhler in Begleitung dieser edlen Frau gefühlt haben?

Hier nur einige Angaben aus ihrem Leben: sie stammte aus dem bayrischen Königshaus; ihre Zwillingsschwester Amalie war Königin von Sachsen; sie war Tante, Patin und Namensgeberin der Kaiserin „Sissi“, ihre Sommerresidenz war Schloss Sanssouci in Potsdam usw.

Werfen wir nun einen Blick auf den möglichen Weg, den das ungleiche Paar genommen haben könnte. Sie benutzten sicherlich neben Waldwegen auch den heute noch bekannten „Kaleschenweg“. König Wilhelm IV. soll diesen Weg von Schloss Stolzenfels angelegt haben, um mit seinen Kutschen auf die Hunsrückhöhen zu gelangen.



Zeichnung des möglichen Weges: Richard Theisen


Die preußische Königin Elisabeth (Ehefrau von König Friedrich Wilhelm IV.) zeigte sich gegenüber dem „Hötteklos“ äußerst dankbar. Er konnte mit seiner Familie die einsame, einfache Waldhütte verlassen und eine Mietwohnung in Waldesch beziehen. Denn die Königin bezahlte Wohnung und das tägliche Brot für die Familie. Nach dem Tod seiner Frau zog Hötteklos mit seinem Sohn Franz nach Lay und wohnte auf der Schulstraße Nr. 6 (heute Marienstätter Str.) bei Familie Alsbach. Sohn Franz heiratete im Jahre 1879 M.A. Rumpf aus Lay. Doch einige Jahre später verzog das junge Ehepaar ins niederländische Industriegebiet.

Hötteklos sollte tragisch enden.

An einem Wintertag, dem 12. Februar 1887 verließ er abends seine Wohnung, um einzukaufen. In „der Schmitt“ (Untere Karolastraße) wurde der 87Jährige von einem Schlitten angefahren und er erlag den dabei erlittenen Kopfverletzungen.

Für die Layer war „die Schmitt“ schon immer eine beliebte Rodelbahn.

Die Geschichte vom Hötteklos wurde in Lay sicherlich oft und gerne erzählt. Wahrscheinlich auch deshalb, weil die Layer zum Schloss Stolzenfels eine besondere Beziehung hatten. Der preußische Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. ließ die Ruine Stolzenfels (ab 1836) im Stil der Rheinromantik wieder aufbauen. Das wurde auch in Lay mit großem Interesse verfolgt, waren doch etliche Layer Maurer am Aufbau beschäftigt. Tragischerweise kam am 4.6.1847 bei diesen Bauarbeiten Jacob Göbel ums Leben. Er war der Schwiegervater von Joseph Thillmann, dem Begründer der Königsbacher Brauerei.

Ein besonderes Ereignis wird wohl immer erzählt worden sein, als königlicher Besuch aus Stolzenfels in Lay eintraf. Wie Lehrer Schweitzer berichtet, „…kam am 3. August 1845 abends, 8 Uhr seine Majestät der König Friedrich Wilhelm IV. mit einem ganzen Gefolge von Kapellen über den Kühkopf den Ellingsweg herunter nach Lay.“

Hedwig Herdes

Nachzulesen bei:

Bernhard Gorges in: Hedwig Herdes, Lay -gestern und heute, 1979, S. 11-12 und
in: Heimatblätter, LHA Ko: Best. Z Nr. 129 v. 7.9.1929
Familienbuch Lay Nr. 1247 und 1248 (hier Schmitz)
Königin Elisabeth 1801 - 1873