Der Weinbau in Lay hat eine lange Tradition und es lässt sich viel zu diesem Thema berichten. Warum wird gerade der Weinbau im Jahr 1990 näher betrachtet? Die Veranlassung hierzu lieferten die Layer Heimatfreunde. Der Verein wurde in jenem Jahr 40 Jahre alt und im September stand das 20. Koblenzer Weinfest im Stadtteil Lay an. Gründe genug, um mit etwas Besonderem aufzuwarten.
Damals bot das Koblenzer Löhr-Center Vereinen und anderen Organisationen die Möglichkeit, eine Ausstellung zu einem interessanten Thema auszuarbeiten und diese im Basement des Centers zu zeigen. Die Heimatfreunde bewarben sich um eine Präsentation zum Thema ’Koblenz – unser Wein, unser Weinfest’ und erhielten die Zusage, diese am 21./22. September 1990, eine Woche vor dem Weinfest, im Löhr-Center darbieten zu können. Die Heimatfreunde setzten sich zum Ziel, mit historischen Weinbaugeräten auf den traditionellen Weinbau in Lay aufmerksam zu machen und den Besuchern den Layer Wein zu präsentieren.
Die Ausstellung ’Koblenz, unser Wein, unser Weinfest’ im Löhr-Center
Der Name ’Koblenz’ im Motto dieser Ausstellung war dem ’Koblenzer Weinfest im Stadtteil Lay’ geschuldet, doch in der gesamten Präsentation stand der Weinbau in Lay im Vordergrund.
Hierzu stellten die Layer Winzer rund 50 im Weinbau benötigte Gerätschaften aus Weinberg und Keller zur Verfügung, die im Löhr-Center zu einer gelungenen Präsentation zusammengestellt wurden. Dazu gehörten ein Pferdefuhrwerk als Lesewagen mit Bütte, Lesebüttchen, Traubenbotte, Traubenmühle etc. für die Arbeiten im Weinberg. An Kellergerät stieß eine über 100 Jahre alte Weinkelter mit Druckwerk auf großes Interesse. Eine ebenso alte Handpumpe aus Messing, sowie Holzfässer, Holztrichter, Weinfilter, Handkorkmaschine, Fassstangen und vieles mehr gehörten zur Ausstellung.
Ausstellung Löhr-Center, Erntewagen, Weinkelter etc.
Eine umfangreiche Fotodokumentation ’Von der Rebe in die Flasche’ zeigte den Werdegang des Weines von im Jahr über anstehenden Arbeiten im Weinberg bis zur Lese und die weiteren Arbeiten im Keller. Es gab auch Aktionen rund um den Wein. Die Küfer Karl Heinz Sattler und Matthias Flöck demonstrierten den Bau eines Eichenfasses und Winzer Rolf Göbel füllte Wein ab. Ein Probierstand mit Layer Wein durfte ebenso nicht fehlen. Hier beantworteten Weingass-Winzer gerne Fragen zum Thema Wein. Zum kommenden Weinfest informierten charmant die amtierende Weinkönigin Nicole I. und ihre Nachfolgerin Manuela I. Die Ausstellung wurde stimmungsvoll umrahmt von der Gülser Tanz- und Trachtengruppe.
Ausstellung Löhr-Center, die Küfer bei der Arbeit
Zu einer Ausstellung zum Thema Weinbau in Lay gehörte zwangsläufig auch, die Situation des Weinbaus in Lay darzustellen. Deshalb wurde eine Bestandsaufnahme der Layer Weinbergslagen und der Layer Winzer in die Vorbereitungen einbezogen.
Die Layer Weinbergslagen
Seit Inkrafttreten des Deutschen Weingesetzes 1971 gehören zur Gemarkung Lay nur noch zwei Weinbergslagen: der Layer Huberstusborn oberhalb des Ortes bis zur ehemaligen Winninger Fähre und der Layer Hamm unterhalb des Ortes bis zum Ankerpfad. Dahinter beginnt der Moselweißer Hamm, doch dürfen die Winzer unabhängig von der Gemarkungslage ihres Weinbergs den Wein sowohl als Layer als auch als Moselweißer Hamm vermarkten. 1990 standen die Weinberge in den Layer Weinbergslagen noch voll im Ertrag, es gab kaum Brachflächen. Dies zeigen Fotos, die im Juni 1990 im Moselweißer / Layer Hamm und im Layer Hubertusborn aufgenommen wurden.
Moselweißer / Layer Hamm, 1990
Layer Hubertusborn, 1990
Die Layer Winzer
1990 stand der Weinbau in Lay noch hoch im Kurs. Zwei Winzer im Haupterwerb und zwölf Winzer im Nebenerwerb bebauten ihre Weinberge in den beiden Layer Weinbergslagen und im Gülser Königsfels sowie in den Winninger Lagen Röttgen, Brückstück und Domgarten.
Die damaligen Layer Winzer im Vollerwerb:
Reinhold Becker und Hans Mader
Die damaligen Layer Winzer im Nebenerwerb:
Geschwister Adams, Reinhold Alsbach, Josef Beckermann, Addi Göbel, Ferdi Kollmann, Karl Josef Kollmann, Josef Mader, Matthias Reick, Karl Heinz Sattler, Willi Siebenborn, Karl Stumm, Karl Josef Thillmann.
Zusammen bewirtschafteten die Layer Winzer knapp 70.000 Rebstöcke.
Der Weinbau in Lay heute
Der Umfang des Weinbaus in Lay hat seit 1990 leider deutlich abgenommen. Von den damaligen zwei Winzern im Haupterwerb und zwölf im Nebenerwerb sind heute nur noch fünf Winzer im Nebenerwerb tätig. Von diesen bearbeitet Johannes Beckermann eigene Rebflächen und liefert die Trauben an eine Winzergenossenschaft, er baut keinen Wein aus. Siegbert Reick besitzt keine eigenen Reben mehr, er bezieht Most von einem zuverlässigen Moselwinzer, baut den Wein aus und vermarktet ihn auch selbst. Die Winzer Rainer Kollmann, Joachim Mader, Hans und Andreas Mader bauen den Wein aus ihren eigenen Weinbergen von der Rebe bis in die Flasche selbst aus und vermarkten ihn auch selbst.
Diese drei Winzer bewirtschaften zusammen ca. 11.300 Rebstöcke im Moselweißer / Layer Hamm, ca. 4.900 Rebstöcke im Layer Hubertusborn und ca. 3.000 Rebstöcke im Dieblicher Heilgraben. Die vorherrschende Rebsorte ist der Riesling, doch sind auch Müller-Thurgau, Kerner, Weißburgunder, Grauburgunder und Blauer Spätburgunder vertreten. Die Qualität der von den Layer Winzern erzeugten Weine ist gut und lässt nichts zu wünschen übrig.
Layer Hubertusborn, 2024
Während der Moselweißer / Layer Hamm heute nur wenige Brachflächen aufweist, ist der Layer Hubertusborn heute größtenteils Brachland, nur noch wenige Weinberge stehen im Ertrag, s. Foto.
Es bleibt zu hoffen, dass die uralte Weinbautradition auch in der Zukunft in unserem Moselstadtteil erhalten bleibt.
Rolf Morbach
Fotos: Rolf Morbach






