Auch alte Kellereingänge haben ihren Charme

Geschrieben am 15.08.2025
von Richard Theisen


Richard Theisen (Text und Fotos)


Sie sind an etlichen älteren Häusern im Ort zu sehen, fallen nicht groß auf und sind dennoch etwas Besonderes. Gemeint sind alte Kellereingänge. Mit einer Rundbogentür aus Holz verschlossen, geben sie auf eigene Art ein historisches Flair vermittelndes Bild ab. Hinter ihren Türen verwahren sie eine Geschichte, die von der Kellerwirtschaft früherer Zeiten erzählt, denn der Treppenabgang über Steinstufen führte ursprünglich hinab in den Weinkeller, wo der unverwechselbare, charakteristische Geruch herrschte, den der in Fässern gärende oder reifende Wein verströmte.  

Der Kellereingang musste genügend Platz bieten für das Verbringen der Weinfässer. Wenn sie zum Beispiel repariert, wenn sie geschwenkt, d. h. von Weinstein und Heferesten gesäubert oder zum Zwecke des Weinverkaufs mit Fassstangen hinausgetragen oder mittels einer Leiter „geschrotet“ werden mussten, wie es in der Winzersprache hieß [das Wort schroten stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie rollen, wälzen, schleifen oder ziehen], mussten Kellerausgang und Treppe auch für das größte Fass, das Fuderfass, durchgängig sein. Gewölbe mit Ecken und Kanten oder vorspringende Mauern waren hinderlich. Das erklärt, warum sich der Treppenlauf zum Weinkeller oft ganz oder teilweise unter einem Tonnengewölbe befindet. Eben dieser mit Halbkreis- oder Segmentbogen abschließenden Gewölbeform ist die weite Außentür des Kellereingangs angepasst. Ihr Bogenstil entspricht somit indirekt der bauchigen Fassform.

In der Gestaltung und funktionellen Beschaffenheit sind fast alle Kellereingänge gleich. Traditionell bestehen sie aus zweiflügeligen Türen, die jeweils an senkrecht stehenden Eisenbolzen (Kloben) aufgehängt sind. Diese Kloben sind beiderseits der Öffnung oben und unten ins Mauerwerk eingelassen. Umgangssprachlich werden sie auch „Angel“ genannt.  [Darauf gehen z. B. die Redewendungen „Die Welt aus den Angeln heben“, „Aus den Angeln gerissen“ und „Zwischen Tür und Angel“ zurück]. In den Kloben lagern handgeschmiedete, als sogenannte Langbänder gearbeitete Scharniere, die im Türblatt verankert sind und ein leichtgängiges Öffnen, Drehen und Schließen der Türflügel gewährleisten. Diese Bandscharniere, deren Enden oft gekröpft sind, geben den Türen Stabilität.

Dass die Kellertüren immer aus zwei Flügeln bestehen, ist ein besonderes Kennzeichen. Es erweckt den Eindruck von Geräumigkeit und Weite, wenn sie geöffnet sind. Die Kombination von Holz und Eisen vermittelt eine ländliche Ästhetik, die in dem örtlichen Umfeld besonders zur Geltung kommt.

Jede Tür ist ein Einzelstück handwerklicher Arbeit. Es gab keine Serienfertigung.



Bei den ältesten Kellereingängen fällt auf, dass ihnen der Treppenabgang vorgelagert ist. Er beginnt nicht hinter der Tür, sondern schon vor ihr mit Stufen und Gefälle zum Keller. Vielleicht war es für das Schroten günstiger, wenn die Haspel, mittels derer das Fass auf der Schrotleiter am Seil hochgezogen wurde, mehr auf dem Hof im Freien stand und bedient werden konnte. Auf den Kellertreppen gab es keine Ausweichmöglichkeit, wenn ein Fass abrutschte, weil etwa das Schrotseil gerissen oder das Schrotholz gebrochen war. 



Schlussbemerkungen:

Die Bildreihe ist nicht vollständig. Im Ort gibt es noch weitere Kellertüren dieser Art. Wo immer sie sich befinden, teilen sie mit: hier war früher der Zugang zum Weinkeller. Da sie aus einer Zeit stammen, als der Weinbau hierzulande von überragender Bedeutung war, sind sie für das Moselgebiet typisch und hier vielerorts noch oft zu sehen.

Es ist schön, dass so viele auch bei uns erhalten geblieben sind.