Die „Juliahöhe“ - Waldbewohner als Bürger von Lay

Geschrieben am 22.05.2026
von Richard Theisen


Im Winter, wenn sie durch Laub und Sträucher nicht mehr verdeckt ist, kann man in dem Niederwald am östlichen Ende unserer Gemarkung, dort wo sie an Moselweiß und Koblenz grenzt, eine Gebäuderuine entdecken. Sie befindet sich unweit des Moselhöhenweges jenseits der ehemaligen Schießstände auf der Karthause. Es sind die Überreste eines kleinen Hauses, das sich der Koblenzer Kaufmann Johann Tröster dort Mitte der 1930er Jahre erbaute. Von dem großen Grundstück in der äußersten Höhenlage von Flur 5 (Flurstück Nr. 302/112) der Layer Gemarkung, welches er mit seiner Frau erworben hatte, bot sich ein schöner Ausblick ins Mosel- und Rheintal. Das Gebäude wurde in massiver Bauweise auf einem Grundriss von 3 x 5 m mit einer Firsthöhe von 3,60 m errichtet und bestand aus einem Raum mit Zugangstür, Fenstern und Feuerstelle. Es war baurechtlich genehmigt unter der Bedingung, dass der Raum nicht Wohnzwecken diene. Ab März 1937 wurde es dann genutzt, wahrscheinlich als Freizeit- oder Jagdhütte dienend.

Der Bauherr selbst gab wohl dem Anwesen den Namen „Juliahöhe“, angelehnt an den Vornamen seiner Ehefrau, Juliane Tröster geborene Frank. Unter dieser Bezeichnung wurde die Örtlichkeit hoch oben im Wald zwischen Lay und der Karthause damals allgemein bekannt.



Johann Tröster (* 1891, + 1967) baute die Freizeithütte auf der „Juliahöhe“. In einer Katasterkarte aus dem Jahr 1952 ist sie kartiert, wie der bearbeitete Auszug (Abbildung rechts) ersehen lässt. 


 Juliane Tröster starb im Jahr 1946. Vermutlich wurde die Nutzung des Gebäudes in der Zeit danach aufgegeben. Irgendwann nahmen es Leute, die durch den Krieg heimat- und obdachlos geworden waren, als Notunterkunft in Besitz - von dem Eigentümer und der Gemeinde Lay offenbar geduldet. Fortan diente es dauerhaft als Wohnstätte. Damit galten die Bewohner nach der Gemeindeordnung als Bürger von Lay. Sofern sie es nicht selbst vermochten, hatte für die Sicherung ihres Lebensunterhaltes die Gemeinde aufzukommen. Schließlich gab es für die Bewohner der „Juliahöhe“ weder Strom noch Wasser. Die nächstgelegene Wasserstelle war „Kaltebornsbrünnche“. Alle Post, jede amtliche Mitteilung und Benachrichtigung musste an die entlegene Wohnstatt überbracht bzw. dort den Bewohnern zugestellt werden.

Zuletzt war es eine 3-köpfige Familie namens Schröder, die auf der „Juliahöhe“ wohnte. Da es ihr nicht gelang, das Gebäude instand zu halten, verfiel ihre Unterkunft mit der Zeit derart, dass sie nicht mehr nutzbar war. Die Bewohner zogen kurzerhand in einen Schäferkarren um. Als auch diese Behausung unbewohnbar wurde, beanspruchten die Schröders als Bürger der Gemeinde Lay eine adäquate Unterkunft. Der damalige Ortsvorsteher Willi Ackermann organisierte einen ausgedienten Bauwagen und ließ ihn von Fuhrunternehmer Josef Göbel an Ort und Stelle bringen. Damit war einstweilen für eine etwas stabilere und geräumigere Notunterkunft gesorgt. Zuvor wurde direkt neben der verfallenen Hütte ein mit flachem Mauerwerk umgrenzter Stellplatz hergerichtet. Das geschah am 8. Juli 1962. Das Datum ist in dem Mörtel der Mauerkrone noch lesbar.

 



Ruine der 1937 erbauten Freizeithütte (Frühjahr 2025). Sie befand sich in reizvoller Lage an der Hangkante zur Mosel.


Auszug aus dem Einwohner-Adressbuch für Lay aus dem Jahr 1963



Die Örtlichkeit der hoch oben im Wald gelegenen Behausung war jahrelang eine Wohnanschrift. Das Einwohner-Adressbuch für Lay aus dem Jahr 1963 nennt „Anton, Valerius und Wilhelmine Schröder“ als Bewohner der „Juliahöhe“ (vgl. auszugsweise Abbildung). Drei Jahre später empfahl die Forstverwaltung der Gemeinde, die Wohnwagen dort zu entfernen, auf ein anderes Gelände im Layer Gebiet abzustellen oder die Bewohner anderweitig unterzubringen. Letzteres ist dann wohl geschehen, denn seitdem ist von den Schröders nichts mehr bekannt, was einen Bezug zu Lay hat. Die Wohnadresse „Juliahöhe“ in Lay war damit erloschen.

Richard Theisen