Zwerchhaus … - was ist das? wird mancher fragen. Eine kurze Worterklärung: Das Bestimmungswort „Zwerch“ stammt vom mittelhochdeutschen „twerch“ oder „dwerch“, was „verkehrt“ oder „quer“ bedeutete. Umgangssprachlich wird es auch für „verdreht, querköpfig“ gebraucht.
Es war in früheren Zeiten eine findige Gestaltungsidee der Architektur, in Wohngebäuden, häufig in Fachwerkhäusern, ein kleineres Haus mit eigenem Dach „einzubauen“. So entstand quasi ein Haus im Haus. Der Nutzen lag in dem Raumgewinn, insbesondere dort, wo der Baugrund beengt war und keine bauliche Ausdehnung erlaubte. Manchmal wurde es nachträglich eingebaut, um zusätzlichen Speicher- oder Wohnraum zu gewinnen. Das ersparte einen Erweiterungsbau.
Das Dach von Zwerchhäusern besteht meist aus einem Giebeldach (Satteldach). Sein First liegt immer quer zum First des Hauptdaches. Deshalb wird es „Zwerchhaus“ genannt. Ein weiteres kennzeichnendes Merkmal des Zwerchhauses besteht darin, dass es auf der tragenden Außenwand oder auf dem Traufgesims des Hauptgebäudes aufbaut. Dadurch wird die Fassade über die Trauflinie hinaus nach oben geführt, wodurch sich ein eigener Giebel entwickelt. Dieser schließt immer mit der Hauswand ab - oder anders ausgedrückt: die senkrechte Fassade des Hauptgebäudes geht direkt in die Giebelfläche des Zwerchhauses über.
Anders als eine Dachgaube ist das Zwerchhaus mindestens ein Stockwerk hoch. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Gaube in das Dach eingebaut ist. Sie steht auf dem Gebälk der Dachkonstruktion, nicht auf der Außenmauer des Hauses.
Ein sehr anschauliches Beispiel für ein solches Zwerchhaus liefert das aus dem 16. Jahrhundert stammende Haus „Maistraße“ 8 (Hussein). Es ist nicht auffällig, aber fast 500 Jahre alt und mit seinem Fachwerkbild so gut erhalten, wie man es in unserer Region selten sieht. Deshalb ist es eine Betrachtung wert.
Mit dem historischen Gebäude „Hirtenstraße“ 1 gibt es in Lay noch ein weiteres Fachwerkobjekt mit Zwerchhaus. Doch anders als sein Pendant in der „Maistraße“ ist es ausgekragt, und sein Fachwerk wirkt schlichter.
Abschließend die Bemerkung, dass Zwerchhäuser als architektonische Gestaltungselemente unterschiedlicher Art und Form heute wieder vermehrt bei Neubauten zu sehen sind. Dafür gibt es in unserem Ort eine Reihe von Beispielen.
Das im 16. Jahrhundert erbaute Winzerhaus in der „Maistraße“ mit dem Zwerchhaus. Sein Fachwerkbild wird durch zahlreiche Krummhölzer belebt, die einen besonderen Akzent setzen. Auf dem Foto rechts ist zu sehen, dass die Giebelfläche des Zwerchhauses in einer Flucht mit der Fassadenmauer steht.
Nebenbei bemerkt: Im Fachwerk des Obergeschosses, direkt unterhalb der Stockschwelle des Zwerchhauses, hat sich die eigentümliche „Mannfigur“ erhalten, bedingt durch bauliche Eingriffe allerdings nicht ganz vollständig (vgl. Foto rechts, unten). Gut zu erkennen sind aber die an den Mittelständer angelehnten, wie Arme nach oben gehenden Diagonalhölzer und die sie kreuzenden, wie gespreizte Beine nach unten gerichteten Gegenstreben. Dadurch entsteht eine im rheinischen Fachwerk bekannte, fachsprachlich oft als „Wilder Mann“ bezeichnete Verstrebungsform.
Richard Theisen
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