Der „Marienstätter Hof“ und sein bemerkenswertes Dach

Geschrieben am 08.05.2024
von Richard Theisen


Bei der Betrachtung des „Marienstätter Hofes“ drängt sich auf den ersten Blick die Fassade mit den beeindruckenden Gestaltungsmerkmalen des Fachwerks auf. Es empfiehlt sich aber, auch einen Blick auf das Dach des Gebäudes zu werfen, denn eine eher unauffällige Besonderheit des historischen Gebäudes sind seine Gauben.  Die Bezeichnung „Gaube/Gaupe“ wurzelt in dem mittelhochdeutschen „gupf“ für Gipfel. Gemeint ist damit ein direkt aus dem Dach herausgebauter und senkrecht stehender kleiner Aufbau mit Fenster.

Es gibt mehrere Arten von Gauben. Sie unterscheiden sich durch ihre Form und Gestaltung. Allen ist gemeinsam, dass ihre Stirnseite parallel zu First und Dachtraufe verlaufen und von der Dachtraufe Richtung Dachfirst zurückgesetzt sind. Bei den Gauben des „Marienstätter Hofes“ handelt es sich um sogenannte Satteldachgauben. Sie bestehen jeweils aus einem dreieckigen Dach über einer rechteckigen Fensterfront und gehören zu den ältesten Gauben-Arten. Das Dach auf der Nordseite des „Marienstätter Hofes“ weist fünf solcher Gauben auf, wovon drei im unteren Dachbereich, zwei weitere im Firstbereich angeordnet sind, jeweils mit gleichmäßigen Abständen zueinander. In der gleichen Weise dürfte ursprünglich auch die Südseite des Daches mit Gauben besetzt gewesen sein.

Unter dem Satteldach befindet sich ein doppelstöckiger Speicher. Der geräumigste im unteren Dachraum weist drei Gauben auf. Sie dienten der Belüftung und zeugen davon, dass dort einst größere Vorräte gelagert worden sein müssen, die eine ausreichende Luftzirkulation erforderten. Durch die Gaubenfenster konnte das Einströmen frischer Außenluft geregelt werden. Der große Speicher hatte an jeder Dachseite drei Gauben, für den Spitzbodenspeicher genügten zwei Fenster.



Ein Dach wie kein Zweites im Ort: Das Gaubendach des „Marienstätter Hofes“.  Durch die Verschieferung kommen die Gauben besonders schön zur Geltung.


 



 Vor 400 Jahren erbaut von den Zisterziensermönchen des Klosters Marienstatt anstelle eines älteren, auf den Weinbau abgestellten Hofes, der schon im Mittelalter existierte.  Dessen Weinerzeugung muss beachtlich gewesen sein, denn Kurfürst und Erzbischof Otto von Ziegenhain gewährte im Jahr 1420 dem Kloster Marienstatt Zollfreiheit auf dem Rhein u. a. für den Wein, der auf dem Hof in Lay angebaut wurde.


Die Zisterzienser haben die Weinbaukultur auf deutschem Boden außerordentlich geprägt und gefördert, ebenso wie die Benediktiner und Kartäuser. Ihr besonderes Interesse galt von je her dem Wein und Weinbau - auch in Lay. So waren im Spätmittelalter die Benediktiner mit dem Kloster Kaufungen und der Abtei Siegburg als Grundherren in unserem Ort doppelt vertreten, der Zisterzienserorden sogar dreimal. Dessen Klöster in Altenberg (Rheinland) und Marienstatt werden fast zeitgleich bereits im 13. Jahrhundert mit Weinbergbesitz in Lay urkundlich erwähnt, das Kloster Kamp am Niederrhein, das älteste Zisterzienserkloster auf deutschem Boden, etwas später.

Wenn Sie mehr zu dem historischen Gebäude an der „Marienstätter Straße“ erfahren möchten, klicken Sie bitte hier:

Marienstätter Hof in Koblenz-Lay | Objektansicht