Ein Layer gründete die „Königsbacher“

Geschrieben am 08.07.2024
von Hedwig Herdes


Joseph Thillmann, der Begründer der Königsbacher Brauerei, stammte aus Lay.



Unzählige Layer wurden bei der großen Brauerei in verschiedensten Berufen ausgebildet und beschäftigt!



Dieter Escher und Ehefrau, Festzug zur 1200 Jahr-Feier 2003


Umso trauriger die Nachricht vom April 2024: „Insolvenz - Alles kommt unter den Hammer!“ Mit diesen unerbittlichen Worten endete die ehemalige Königsbacher Brauerei.

Familien-Umzug von Lay nach Koblenz

Im Jahre 1874, am 4. August war der 36jährige Joseph Thillmann mit seiner ein Jahr jüngeren Ehefrau Katharina, geb. Goebel aus Lay nach Koblenz gezogen. Er hatte auch seinen Namen geändert, aus Thielmann wurde Thillmann, wie es ein Zweig seiner Verwandtschaft ebenfalls tat.  Von sechs der in Lay geborenen Kindern überlebten nur zwei Kinder. Die Choleraepidemie 1866 in Lay und die große Kindersterblichkeit hatten ihre Opfer gefordert.

So erreichte die Familie mit ihrer sechsjährigen Tochter Maria und ihrer dreijährigen Schwester Katharina die Stadt und zog in die Balduinstraße Nr. 8. Ein Grund für diesen Umzug war wahrscheinlich, dass Thillmann sich den strapaziösen täglichen Fußmarsch zur Arbeitsstelle nach Koblenz (und zurück) ersparen wollte. Bereits im Jahre 1883 inserierte der fleißige Maurer im Adressbuch der Stadt Koblenz:



Adressbuch 1883


Thillmann erwirbt das „Alte Brauhaus“ in der Braugasse 

Nach Aufzeichnungen von Dr. Becker konnte Thillmann am 16.1.1884 die Brau- und Brennerei „Zum Alten Brauhaus“ in der Koblenzer Braugasse erwerben. Wahrscheinlich schätzte und förderte der preußische Garnisonsinspektor Julius Goldmann den fähigen Maurermeister Thillmann. Denn Pastor Simon vermerkt, dass Goldmann, ein reicher Gönner, Thillmann das Geld vorstreckte.

Das „Alte Brauhaus“ befand sich im ehemaligen „Haus Monreal“. Es hatte der Stadt Koblenz vom 14. bis 17. Jhd. als Rathaus gedient. Danach Umgestaltung als Brauhaus und 1884 Verkauf an J. Thillmann. Der Bauunternehmer und Brauereibesitzer ließ das marode Gebäude abreißen. In den Jahren 1889 und 1891 erbaute er die heute noch existierenden Wohnhäuser in der Braugasse.  Ein „Knick“ in der Mitte der Häuser in der Braugasse Nr. 4 „Altes Brauhaus“ und Nr. 6 lässt sogar den exakten Verlauf der historischen Braugasse erkennen. Von hier aus führte Thillmann auch mit dem Neffen seiner Ehefrau, dem jungen Johann Goebel aus Lay, neben der Brauerei ein florierendes Bauunternehmen.



Altes Brauhaus in der Braugasse 4-6, Foto H.Herdes 2024


Die Königsbacher Brauerei entsteht

Thillmann bleibt weiterhin mutig und tatkräftig! In der preußischen Garnisonsstadt Koblenz floss das Bier reichlich. Deshalb erwarb Joseph Thillmann im Jahre 1885 eine vor den Toren der Stadt Koblenz gelegene stillgelegte Konserven-Fabrik „An der Königsbach“. Dort konnte der ständig steigenden Nachfrage nach dem Gerstensaft eher nachgekommen werden.



Essensträgerinnen zur Königsbach, 2. von re. Schwester von J. Thillmann, heiratete Philipp Roerig, Fuhrmann bei der Königsbach.


Joseph Thillmann als Bauunternehmer

Wir erinnern uns: Die dreijährige Katharina und ihre sechsjährige Schwester Maria hatten mit ihren Eltern Lay verlassen und waren nach Koblenz gezogen. Doch im Alter von nur 20 Jahren verstarb Maria in Koblenz. Katharina, genannt Kathchen, heiratete im Alter von 21 Jahren Engelbert Simonis, dem ihr Vater im Jahre 1890 die Leitung der neuerstandenen Königsbacher Brauerei übertragen hatte. Nun konnte sich Joseph Thillmann (nunmehr aus der Braugasse 4-6) noch mehr um das Baugeschäft kümmern. Wie der spätere Direktor der Königsbacher Brauerei / Karlsberg, H.J. Karrich der Autorin mitteilte, entfaltete der ehemalige Layer eine ungeahnte Tätigkeit.

Zu den von ihm errichteten Gebäuden entstanden unter J. Thillmanns Führung viele staatliche Gebäude, wie Kasernen, Brücken und Festungen, sowie das Monopol-Hotel, Hotel Reichshof in Koblenz, Hotel Rheinhof in Pfaffendorf und die Fabrik Falkenberg & Richter in Koblenz.

 Früher Tod

Joseph Thillmann war gerade in sein neues Brauereikontor im Hotel Reichshof, Hohenzollernstraße umgezogen, als der 60-Jährige am 22. April 1898 einem Herzleiden erlag. Aus den Nachrufen in der Presse erkennt man die außergewöhnliche Persönlichkeit des Verstorbenen: „Selten hat ein Mann von so einfachem bescheidenen Wesen in seinem Leben so rege und thatkräftig gewirkt, selten solche Erfolge errungen, die seine Firma zu einer der bedeutendsten der Stadt Coblenz machten. Die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Firma betrauern in dem leider zu früh hingeschiedenen einen gerechten, guten Principal…“

Hedwig Herdes

 

Quellen:

  • Dr. W. J. Becker: Die älteste Koblenzer Brauerei. In: Koblenzer Heimatblatt v.9.3.30
  • Hedwig Herdes: in Lay im 20. Jahrhundert, S.233 und RZ v. 18./19.4.1998
  • Dr. Kallenbach: Ein Bauunternehmer bestimmt das heutige Bild. In: RZ v. 29.11.2004
  • Rüttgers: Familienbuch Lay, Nr. 1377
  • W. Schütz: Dipl.-Volkswirt Karrich: in Koblenzer Köpfe S. 278ff