Text und Foto: Richard Theisen
Das Jahr 1953 bescherte den Layer Winzern einen Wein in Spitzenqualität. Dabei waren die Ernteaussichten nach einem eher kalten Frühjahr, gefolgt von extrem trockenem Sommer und Herbst, nicht gerade günstig. Dennoch erwies sich die Erntequalität im Moselgebiet als ausgezeichnet. In Lay war sie sogar überragend! In fast allen Weinlagen wurden Mostgewichte zwischen 80 und 93 Grad Öchsle und ein Säuregehalt von 8 und 10 Promille gemessen. Die Trauben hatten eine Vollreife erreicht, wie sie selten vorkommt.
„Es wurden hier [in Lay] bedeutend bessere Ergebnisse erzielt als in bekannt guten Lagen anderswo an der Mosel“, berichtete die „Rhein-Zeitung“ damals. Man führte dies auf die schweren Böden zurück, aus denen die Reben genügend große Feuchtigkeit erhielten. Dadurch erreichten die Trauben einen optimalen Reifegrad. Sie lieferten einen „Naturwein“, einen Wein also, der aus Trauben in unverändertem Zustand, so wie sie die Natur hat reifen lassen, erzeugt wurde und keiner Anreicherung durch Zucker („Nassverbesserung“) erforderte. Solche Weine durften damals auf dem Etikett als „naturrein“ bezeichnet werden. [Mit dem Weingesetz von 1971 wurde der Begriff »naturrein« abgeschafft und durch öchsledefinierte, sogenannte Prädikate ersetzt.]
Die Weinqualität des 1953er übertraf sogar die herausragenden Jahrgänge 1947 und 1949. Davon profitierten die einheimischen Winzer damals auch in anderer Hinsicht. Der Wein war als gehobenes Getränk in den kargen Nachkriegsjahren einkommensbedingt eher ein verzichtbares Gut. Entsprechend gedämpft war die Nachfrage. Viele Haushalte hatten Mühe, die grundlegenden Bedürfnisse des Lebens zu decken. Das hatte sich mit der Zeit geändert. Die Wirtschaft nahm Fahrt auf. Für die Bevölkerung gab es Arbeit und Geld zu verdienen. Diese Aufwärtsentwicklung machte sich auch gesellschaftlich bemerkbar. Es wurde wieder mehr gefeiert und veranstaltet, was der Geselligkeit diente - auch in Lay. Dass sich 1950 der „Verein der Heimatfreunde“ und zwei Jahre später der „Möhnenclub“ gründete, passt zu dieser Entwicklung. Der Weinkonsum, der nach dem Krieg über Jahre im niedrigschwelligen Bereich lag, wuchs. Infolgedessen florierte auch der Weinabsatz.
Es war somit nicht allein das hervorragende Mostgewicht, das die Layer Winzer erfreute, sondern auch der Umstand, dass sie ihre erstklassige Weinernte profitabel vermarkten konnten. Beides sorgte 1953 für ein glänzendes Weinjahr. Dem Zeitungsbericht zufolge traten damals neben Weinhändlern der Untermosel auch Weinhandelsfirmen von der Nahe als Mostkäufer auf. Die starke Nachfrage nach ihrem Spitzenwein wird die hiesigen Winzer von manchen Sorgen befreit haben.
Wie sehr und nachhaltig der moselanische Ausnahmewein damals geschätzt war, lässt sich z.B. daran erkennen, dass er es sogar in den James-Bond-Roman „Goldfinger“ schaffte. In dem Thriller, der 1964 verfilmt wurde, lässt Bösewicht „Goldfinger“ seinem Gegenspieler James Bond (Geheimagent 007) zum Dinner einen Moselwein des Jahrgangs 1953 servieren. 007 zeigt sich davon sehr angetan.
Gut gelaunt und zufrieden wie unsere heutigen Winzer auf diesem Bild werden die Layer Winzer vor gut 70 Jahren, als sie noch wesentlich zahlreicher waren, auf ihren Premiumwein in Glas, Flasche oder Fass geblickt haben.
Richard Theisen