Vom Layer Spar- und Darlehnskassenverein zur VR Bank RheinAhrEifel eG

Geschrieben am 01.04.2026
von Rolf Morbach


Zum 31. März 2026 schloss die Filiale Lay der VR Bank RheinAhrEifel eG in der Hirtenstraße. Dies ist der Anlass, die Ära der Genossenschaftsbanken in Lay, die 1895 begann, einmal näher zu betrachten.


Im 19. Jh. vollzogen sich in der Landbevölkerung wesentliche strukturelle Änderungen. Infolge der napoleonischen Herrschaft waren die alten Feudal- und Lehnsherrschaften aufgelöst worden und Bauern und Winzer wurden alleinige Eigentümer ihrer Ländereien. Damit trugen sie aber auch das alleinige Risiko, dass sie durch Kapriolen der Natur wie Ernteausfällen, Missernten etc. in Not geraten konnten und solche Situationen gab es im 19. Jh. häufig.

Zur Verbesserung dieser Situation waren die Initiativen der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen in Preußen und Hermann Schulze-Delitzsch in Sachsen bestens geeignet, die zur Selbsthilfe und zur Gründung von Genossenschaften anregten. Nach dem Wahlspruch “Einer für alle, alle für Einen“ wurden landwirtschaftliche Genossenschaften zum gemeinsamen Einkauf von Produktionsgütern und zur gemeinsamen Vermarktung der Erzeugnisse gegründet sowie genossenschaftliche Spar- und Darlehnskassen für vergünstigte Geldgeschäfte geschaffen.

Ende des 19. Jh. wurde die genossenschaftliche Idee auch in Lay aufgegriffen, wie die Coblenzer Volkszeitung am 30. August 1895 berichtete:


„In das hiesige Genossenschaftsregister ist heute unter Nr. 20 die durch Statut vom 22. August 1895 zu Lay gegründete unter der Firma: „Layer Spar- und Darlehnskassenverein, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht“, bestehende Genossenschaft eingetragen worden.

Gegenstand des Unternehmens ist, die Verhältnisse der Vereinsmitglieder in jeder Beziehung zu verbessern, die dazu nöthigen Einrichtungen zu treffen, namentlich die zu Darlehn an die Mitglieder erforderlichen Geldmittel unter gemeinschaftlicher Garantie zu beschaffen, müßig liegende Gelder anzunehmen und zu verzinsen, sowie einen Stiftungsfonds zur Förderung der Wirthschaftsverhältnisse der Vereinsmitglieder aufzubringen.

Der Vorstand besteht aus folgenden Personen:

  1. Jacob Mader zu Lay, zugleich Vereinsvorsteher,
  2. Anton Henrich zu Lay, zugleich Vertreter des Vereinsvorstehers,
  3. Johann Mader zu Lay,
  4. Caspar Lorenz Geiermann zu Lay,
  5. Conrad Thielmann zu Lay.

Die Liste der Genossen liegt auf der Gerichtsschreiberei des unterzeichneten Gerichts während den gewöhnlichen Sprechstunden zu Jedermanns Einsicht offen.

Coblenz, den 27. August 1895,

Königliches Amtsgericht, Abtheilung II.“


Der Spar -und Darlehnskassenverein wurde von den Layer Bürgern gut angenommen, bot er doch den enormen Vorteil, Kreditgeschäfte und Spareinlagen im eigenen Dorf abzuwickeln, ohne den Weg nach Koblenz zu Fuß oder per Fahrrad antreten zu müssen. Bereits bei der 1. Generalversammlung am 22. Dezember 1895 zählte der Verein 48 Mitglieder / Genossen. Zukünftig wurden jährlich zwei Generalversammlungen abgehalten, eine im Frühjahr und eine im Herbst. Bemerkenswert ist, dass die Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung eingetragen wurde, das bedeutete, dass die Genossen mit ihrem Privatvermögen hafteten.

Im Sommer 1922 etablierte sich eine zweite eigenständige Genossenschaft in Lay, die sich nur um das Warengeschäft des noch landwirtschaftlich geprägten Dorfes Lay kümmerte: die Bezugs- und Absatzgenossenschaft. Der Einkauf von Saatgut, Dünger u. ä. und der Verkauf der Ernteerzeugnisse, vor allem der damals beträchtlichen Kirschenernte waren ihre Aufgabe. 1946 firmierte diese Genossenschaft in Raiffeisen Warengenossenschaft e.G.m.b.H. Lay um und am 10.10.1952 fusionierten beide Genossenschaften zur Raiffeisenkasse Lay e.G.m.b.H., aber mit beschränkter Haftung.

Die Geschäftsräume der beiden Genossenschaften waren in privaten Wohnhäusern untergebracht. So hatte sich der Spar- und Darlehnskassenverein im Hause des 1. Rechners Michael Anton Henrich in der Schulstraße 29 (heute Marienstätter Straße) über 20 Jahre eingemietet und ebenso war die Bezugs- und Absatzgenossenschaft Mieterin im Hause ihres 1. Rechners Josef Ackermann in der Bachstraße 34 (heute Kaufunger Straße). In dem letztgenannten Hause blieb auch die Geschäftsstelle nach der Fusion der beiden Genossenschaften. 1956 wurde der Vorstand der Raiffeisenkasse Lay beauftragt, ein Grundstück zum Bau eines Lager- und Bürogebäudes zu erwerben. Nachdem man von der Gemeinde Lay den ehemaligen Dreschplatz (heute Mehrfamilienhaus Legiastraße 64, Zufahrt über die Straße Im Giefenacker) erworben hatte, wurde 1960 ein Bürogebäude mit Lagerhalle und Obstannahmestelle errichtet.

Am 2. Januar 1961 nahm die Raiffeisenkasse Lay den Betrieb in den eigenen Geschäftsräumen auf und ab diesem Datum übernahm mit Arthur Göbel erstmals ein hauptberuflicher Geschäftsführer die Abwicklung der Geld- und Warengeschäfte der Genossenschaft. Im August 1970 feierte die Raiffeisenkasse Lay ihr 75-jähriges Bestehen. Die Genossenschaft war ein solides Unternehmen mit über 300 Mitgliedern / Genossen und verfügte über Spareinlagen in Höhe von 1,5 Mio. DM.



Textilgeschäft Reick um 1970,
am 28. April 1978 eröffnete hier die Raiffeisen Volksbank Koblenz ihre neue Geschäftsstelle

Foto: Siggi Reick


 


In den folgenden Jahren machten es neue Bestimmungen im Kreditwesen der Genossenschaft schwer, ihre Eigenständigkeit zu erhalten. So schrieb das Kreditwesengesetz das ‘Vier-Augen-Prinzip‘ vor, danach hätte die Raiffeisenkasse Lay zwei hauptamtliche Geschäftsführer einstellen müssen. Die hierfür anfallenden Kosten waren nicht zu erwirtschaften. Deshalb wurde eine Fusion mit der Raiffeisenbank Güls angestrebt und in der Generalversammlung am 16. Juni 1977 genehmigt. Damit war die Eigenständigkeit der Raiffeisenkasse Lay erloschen. Wenige Monate nach dieser Verschmelzung fusionierte die Raiffeisenbank Güls mit der Raiffeisen Volksbank Koblenz eG. Dies hatte zur Folge, dass das stark rückläufige Warengeschäft aufgegeben wurde und die Volksbank in Lay nach neuen Geschäftsräumen in zentraler Lage suchte. Dem Vorstand der Volksbank erschienen die Räumlichkeiten des damaligen Textilgeschäftes Reick in der Hirtenstraße als ein idealer Standort. Es gelang, Matthias und Emmi Reick zur Aufgabe ihres Geschäftes zu bewegen und der Volksbank die Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Hauses zum 1. Januar 1978 zu vermieten. Nach einer kurzen Umbauphase eröffnete die Raiffeisen Volksbank Koblenz eG am 28. April 1978 ihre neue Geschäftsstelle im Hause Reick in der Hirtenstraße 28. Die Liegenschaft am Dreschplatz wurde aufgegeben und verkauft. Ab 1984 firmierte die Bank unter dem Namen Koblenzer Volksbank eG und im Juni 2002 fusionierte die ‘Koblenzer‘ mit der Volksbank Mittelrhein eG zur Volksbank Koblenz Mittelrhein eG.

Im August 2018 informierte die Volksbank Koblenz Mittelrhein eG ihre Mitglieder über die angestrebte Fusion mit der Volksbank RheinAhrEifel eG. Beide Volksbanken waren solide aufgestellt und wollten ihre Kräfte bündeln um somit die vielfältigen zukünftigen Herausforderungen effizienter meistern zu können. Die Fusion wurde im Juli 2019 vollzogen. Die gemeinsame Bank firmierte unter dem Namen Volksbank RheinAhrEifel eG mit Hauptsitz in Koblenz. Die bisherigen Filialen wurden weitergeführt, so auch in Lay. Später benannte sich die Bank um in VR Bank RheinAhrEifel eG, wobei die Initialen VR für Volksbank / Raiffeisenbank stehen.

 



Geschäftsräume der VR Bank RheinAhrEifel am 31. März 2026

Foto: Rolf Morbach


 


Von 2021 bis zum 31. März 2026 stand die Filiale Lay unter der Leitung von Frau Michaele Deisen, die den Layer Bürgern in Geldangelegenheiten gerne zur Seite stand. Mit diesem Datum schloss die Filiale Lay und damit endete eine 130-jährige Ära der genossenschaftlichen Banken in Lay, die einst am 22. August 1895 begann.

Rolf Morbach